Wiedereinführung des Dipl.-Ing.? Was meinen Sie?

Viele Kolleginnen und Kollegen haben das Verschwinden des 1899 eingeführten international hoch angesehenen deutschen Abschlusses "Dipl.-Ing." - an Fachhochschulen mit dem Zusatz "(FH)" - im Zuge des 1999 begonnenen Bologna-Prozesses beklagt. Der hlb hatte damals vorgeschlagen, Bachelor und Master parallel zum bekannten Diplom anzubieten - etwa als Abschluss eines sechs-, acht- und insgesamt zehnsemestrigen Studiums - und es dem Markt zu überlassen, welche Abschlüsse Studierende und Industrie am besten annehmen. Stattdessen wurden seither "Bachelor of Science/Bachelor of Engineering" und "Master of Science/Master of Engineering" nahezu flächendeckend anstelle des "Dipl.-Ing." eingeführt.

Die Diskussion um den "Dipl.-Ing." ist allerdings nie verstummt. Am 17. April 2010 appellierte die Gruppe der TU9 (die führenden technischen Universitäten in Deutschland) an die Politiker, den deutschen Technischen Universitäten die Möglichkeit zu geben, den "Dipl.-Ing." auf der Basis eines abgeschlossenen Master-Studiums auch künftig vergeben zu können. In der folgenden Diskussion war rasch klar, dass dann auch die Absolventen der Master- Programme an Fachhochschulen den Abschluss "Dipl.-Ing." führen dürften.

Als Kompromiss hatte der baden-württembergische Wissenschaftsminister Frankenberg im September vorgeschlagen, für Ingenieur-Absolventen aller Hochschulen sollten Bachelor und Master als akademische Abschlüsse erhalten bleiben, aber beide um den Zusatz "Dipl.-Ing" ergänzt werden können. Damit wäre der Zusatz "Dipl.-Ing." auch allen Absolventen unserer Hochschulen eröffnet worden. Allerdings konnte er sich damit in der Kultusministerkonferenz nicht durchsetzen.

Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat am 15. Dezember 2010 eine inzwischen in Kraft getretene Novelle des Landeshochschulgesetzes beschlossen, mit der die alten Abschlüsse alternativ zu den Bachelor- und Master-Graden wieder eingeführt worden sind. Die Prüfungsordnungen der dortigen ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten an Universitäten und Fachhochschulen können als Abschlussbezeichnung zwischen "Master" und "Dipl.-Ing." jetzt frei wählen. Bei Studiengängen an Fachhochschulen, die mindestens 240 credits (also 8 Semester) umfassen, kann als Abschlussbezeichnung "Dipl.-Ing. (FH)" vorgesehen werden. Nach dem Gesetzentwurf war ursprünglich beabsichtigt, auch für Bachelor-Abschlüsse der Fachhochschulen eine entsprechende Möglichkeit zu eröffnen. Nachdem die Präsidentin der HRK, Frau Wintermantel, in einem offenen Brief an die Abgeordneten und einer Pressemitteilung vom 14. Dezember 2010 die Befürchtung geäußert hatte, das Nebeneinander des Dipl.-Ing. auf der Bachelor- und der Master-Ebene wäre "ein in Europa einmaliges Verwirrspiel, das für Studierende und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber eine neue und unnötige Verkomplizierung mit sich brächte", hat der Landtag offenbar den Dipl.-Ing. für Bachelor-Absolventen aus dem Entwurf gestrichen.

Ob Mecklenburg-Vorpommern damit zum Vorreiter für andere Bundesländer wird oder im Gegenteil der Bund von seiner 2006 eingeführten, bisher nicht genutzten Gesetzgebungskompetenz über die Hochschulabschlüsse Gebrauch macht und in Deutschland nur noch Bachelor und Master erlaubt, das Diplom also verbietet, wird in den nächsten Monaten Gegenstand heftiger Diskussionen sein.

Unter den Kolleginnen und Kollegen an Fachhochschulen ist umstritten, wie wir uns dazu verhalten sollen. Manche stellen den Wiedergewinn bzw. Erhalt des "Dipl.-Ing." in den Vordergrund, sodass sie der Wiedereinführung dieses Abschlusses anstelle des Master positiv gegenüber stehen. Andere beklagen, dass die meisten Absolventen eines Ingenieur- Studiums an den Fachhochschulen, das sie regelmäßig mit einem Bachelor abschließen, den Titel "Dipl.-Ing." nicht führen dürften, während die TU9 den Master als Regelabschluss betrachten und damit die Mehrzahl der "Dipl.-Ing." stellen würden - und das, obwohl die Fachhochschulen "vor Bologna" etwa zwei Drittel der "Dipl.-Ing." ausgebildet und den Erfolg dieser Marke mit geprägt haben; sie lehnen diesen Vorschlag daher ab und meinen, es sollte bei den neuen Abschlüssen bleiben oder dem Kompromissvorschlag von Minister Frankenberg gefolgt werden.

Um seitens des hlb die politische Diskussion zu beleben, möchten wir ein Diskussionsforum bereitstellen, das die Meinung und Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen zu dieser teilweise sehr emotional geführten Debatte abbilden möchte.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Ihr Nicolai Müller-Bromley
Präsident des Hochschullehrerbundes hlb


Lothar Prof. Dr. Otto, Mittweida, 13.01.2012 um 11:08 Uhr

Für mich ist diese Diskussion nicht mehr nach vollziehbar...
Es gibt Bologa und somit einen "Europäischen Bildungsraum" mit all seinen Ramenbedingungen und akademischen Abschlüssen Bachelor/Master.
Hochschulen vergeben akademische Abschlüsse und Berufsverbände vergeben Berufsbezeichnungen. Dazu gibt es Ländergesetze, die können Äuqivalente zwischen akademischen Abschluss und der Berufsbezeichnung festlegen.
In Sachsen haben wir in den technischen Studiengängen bereits den akademischen Abschluss Bachelor mit der Berufsbezeichnung Ingenieur festgelegt und die Absolventen bekommen eine akademische und eine berufsbezeichnende Urkunde.
Das gleich Verfahren sehe ich in der Anwendung Master und Diplomingenieur.
Damit kann danach die Diskussion beendet werden.
MfG
Prof. Dr. Lothar Otto


Christopher van Zyl, HTW Dresden, 20.12.2011 um 10:22 Uhr

Wenn deutsche IngenieurInnen im Ausland einen sehr guten Ruf haben, ist es TROTZ, und nicht WEGEN des Titels Dipl.-Ing. Das Wort "diploma" wird im angelsächsischen für viele erfolgreich abgeschlossene Kurse verwendet - auch solche, die nur drei Tage dauern. Bachelor und Master hingegen werden sofort als Hochschulabschluss eingestuft.
Für die gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung, der Titel Dipl.-Ing. geniesse weltweit hohen Ansehen, habe ich noch keine wissenschaftlich fundierte Untersuchungen gesehen. Die Qualität der Lehre und die Fahigkeit der AbsoventInnen ist viel wichtiger als die Benennung des Abschlüsses.


Roland Dr. Schneider, FH Dortmund, pensioniert, 04.11.2011 um 17:13 Uhr

Das Bestreben sollte nicht nur die Rückkehr zum Dipl.-Ing. betreffen, sondern auch den wesentlich später eingeführten Dipl.-Inf. (Diplom-Informatiker) wieder ermöglichen.

4.11.2011
Prof. Dr.Roland Schneider


Dr. Rolf Bauer, TU München, 19.09.2011 um 15:37 Uhr


Ivo Vendolsky, Technische Hochschule Dresden, 17.09.2011 um 17:40 Uhr


Karl Fischer, Köln, 13.05.2011 um 22:07 Uhr

In Sachsen wurde inzwischen das Staatsexamen für das Lehramtsstudium wieder eingeführt.

Das Lehramtstudium konnte nicht erfolgreich im engen Korsett des Bachelors untergebracht werden, bzw. auch die Abbrecherzahlen waren z.B. unverhältnismässig hoch.


Lothar Otto, Mittweida, 10.05.2011 um 17:45 Uhr

Die Lösung des Problems im deutschsprachigen Raum ist doch ganz einfach:
Man muss Akademischen Abschluss und Berufbezeichnung trennen.
Bachelor ist akademischer Titel Berufsbezeichnung in den technischen Disziplinen ist der Ingenieur. Mit IHK abgestimmtes Vorgehen als berufsbezeichnung.
6 bis 7 Semester + 2 Semester ist der Dipl-Ing.(FH) - akademischer Titel + Berufsbezeichnung
8 Semester + 3 bis 4 Semester ist der Master als akademischer Titel und Dipl.-Ing. ist die Berufsbezeichnung.

MfG
Lothar Otto


Raphael H., HAWK, 15.04.2011 um 14:21 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich frage mich, warum hier irgendwelche Ingenieure glauben, die Deutungshoheit von Abschlüssen inne zu haben, so als ob es nicht auch andere Fächer an FH´s geben würde...Gibt es aber. Wirklich. :)

Niemand hindert eine Hochschule daran,einen Bachelor mit 8 Semestern zu konzipieren, insbesondere im Ingenieurbereich. Die in den Hochschulen frei herumlaufenden Professoren haben sich mit der Konzeption der Bachelor-Studiengänge nicht mit Ruhm geschmückt,ganz im Gegenteil.

Was wollen Sie denn mit einem Abschluss Dipl.Ing FH, mit dem Sie weder promovieren können,noch in den höheren Dienst gehen können? Ist das Ihr Anspruch ? Mehr können und wollen Sie nicht? Wo wollen Sie denn hin in den nächsten Jahrzehnten? Haben Sie eine Vorstellung oder wollen Sie sich weiterhin selbst verwalten? Ich glaube, es haben sich all zu viele dieser Leute in den vergangenen Jahren im hochschulpolitischen Mittelmaß bequem eingerichtet!


Und was ist eigentlich mit den anderen Fächern? Ich z.B. habe einen naturwissenschaftlichen Bachelor of Science mit einem interdisziplinären Master of Arts anderer Fachrichtung kombiniert. Im Master waren völlig unterschiedliche Fächer vertreten, viele hatten den Bachelor an der Uni gemacht, darunter Soziologie,BWL, Umweltwissenschaften,Geographie,Stadtplanung,Außenwirtschaft... auch Drei-Fach Kombinationen gab es. In welchem dieser Fächer sollte es dann ein Diplom geben? Wird gewürfelt? Und warum brauchen wir dann 10 Semester für einen Abschluss,der ansonsten bereits nach 8 oder weniger Semestern erreicht wird, bei geringeren Zugangsvoraussetzungen?

Wenn irgendeiner der Lehrenden hier meint, er könne die Bachelors nicht auf gleicher Qualifikationsebene wie das FH Diplom ausbilden: GEHEN SIE! Dafür brauchen wir keine Steuergelder zu bezahlen.

Man hätte die Mindeststudiendauer im Ing.-Bereich lediglich auf mind. 4 Jahre setzen müssen.

Also: In die mündl. Nachprüfung mit Ihnen, mit Ihnen allen.


Martin M., BHT Berlin, 09.03.2011 um 13:04 Uhr

Es ist schon teilweise erschreckend, wie wenig über den Bachelor bekannt ist.

Der Master wird mit dem Diplom an einer Uni gleichgesetzt und der Bachelor als Schmalspurstudium bezeichnet? Der Bachelor mit 7 Semestern unterscheidet sich zum Dipl.-Ing. (FH) lediglich durch ein Praxissemester und 1-2 Fächer. Die Inhalte der Klausuren sind absolut gleichwertig. Bei uns war das jedenfalls so. Einige Studenten, die noch auf Diplom FH studiert haben und länger brauchten, haben bei uns die Klausuren im Bachelorstudiengang mitgeschrieben, welche ihnen noch gefehlt haben. Manchmal ist es schon sehr erschreckend wie wenig überhaupt über diesen Abschluss bekannt ist. Auch das man immer wieder von Abschlussarbeiten mit einer Dauer zwischen 4 und 8 Wochen etwas liest? Keine Ahnung wodurch diese Fehlinformationen entstehen. Sie werden aber gerne aufgeschnappt um gegen den Bachelor zu wettern. Dazu kommt noch die bereits erwähnte Tatsache, dass im Bachelor jede Note vom ersten Tag mit in die Abschlussnote gerechnet wird.

Meiner Meinung sollte man an dem neuen System beibehalten. Es ist natürlich klar, dass Neues immer sehr kritisch betrachtet wird und auf große Ablehnung stößt. Nur bringt es auch nichts sich automatisch immer dagegen zu stemmen. Die Wiedereinführung von der Bezeichnung Dipl.-Ing. wäre auf jeden Fall ein Schlag ins Gesicht aller Absolventen mit Bachelor und auch Master.

Vielmehr sollten die neuen Abschlüsse mehr in der Öffentlichkeit unterstützt werden, sodass diese ganzen Mythen endlich mal verschwinden und die Abschlüsse ihre durchaus gerechte Anerkennung bekommen.


Britta Magenau, HAWtech, 18.01.2011 um 14:02 Uhr

Stellungnahme der HAWtech zur Diskussion über die Wiedereinführung des Diplom-Ingenieurs

Die sechs in der HAWtech zusammengeschlossenen Hochschulen sprechen sich gegen eine Wiedereinführung des Diplom-Grades aus. Die im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführten Abschlüsse Bachelor und Master sind erfolgreich etabliert. Die Rückkehr zum früheren System sieht die HAWtech als Gefahr für die Weiterentwicklung des Hochschulsystems.

Die Schaffung eines europäischen Bildungsraumes mit vergleichbaren Abschlüssen war eines der wesentlichen Ziele einer Initiative der Bildungs- und Wissenschaftsminister der europäischen Staaten, welche vor 10 Jahren den gesamten Kontinent ergriffen hat und unter dem Namen "Bologna-Prozess" bekannt geworden ist. Zentrales Element dieses Prozesses ist die Umstellung der Studienstruktur auf gestufte Abschlüsse, die insbesondere im asiatischen und amerikanischen Raum als Standard anzutreffen sind.
Die tragende Idee des Bologna-Prozesses ist es u. a., jungen Menschen ihren Fähigkeiten entsprechende Abschlüsse anzubieten. Hierbei stellt der Bachelor nach einer Studienzeit von drei bis vier Jahren den ersten berufsqualifizierenden Abschluss dar. Guten Absolventen der Bachelor-Studiengänge wird dann die weitere wissenschaftliche Vertiefung im Rahmen eines Master-Studiums angeboten. Den besten Master-Absolventen wird anschließend der Weg zur Promotion eröffnet.
Dieser an der Qualifikation der Studierenden orientierte Ablauf ist zwischenzeitlich auch in Deutschland flächendeckend umgesetzt. Insbesondere die Fachhochschulen haben hierbei eine herausragende Rolle gespielt und den Nachweis erbracht, dass der Bachelor-Abschluss berufsqualifizierend sein. Die hohe Qualität dieser Abschlüsse wird auch von Arbeitgebern ohne Abstriche anerkannt.
Auch der Übergang der besten Bachelor-Absolventen in Master-Studiengänge sowie deren Befähigung zur erfolgreichen Promotion wird bereits durch eine große und wachsende Zahl von Beispielen nachdrücklich belegt.

Fachhochschulen sind ein zentraler Innovationsmotor der deutschen Wirtschaft. Dies zeigt sich auch darin, dass heute schon die Mehrheit der Ingenieure an Fachhochschulen ausgebildet wird. Entscheidungsträger im Wissenschaftssystem gehen künftig von einem Anteil von 80 % aus. In diesem Zusammenhang ist es unabdingbar, dass auch in der Öffentlichkeit die Stellung dieser Ingenieure - wie im Rahmen des Bologna-Prozesses geschehen - entsprechend ihrer Bedeutung und Qualifikation wahrgenommen wird.

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass in einzelnen Bereichen eine Diskussion zur Wiedereinführung des Diplom-Ingenieurs als akademischen Abschluss oder als Zusatz zu den neuen akademischen Graden im Ingenieurbereich begonnen hat. Die Wiedereinführung würde nicht nur das Ziel der weltweiten Kompatibilität von Hochschulabschlüssen konterkarieren. Sie würde vielmehr auch zu Verwirrungen im deutschsprachigen Raum mit zunehmender Intransparenz führen. Schließlich wäre sie der Türöffner für weitere Disziplinen, sich von den eingeführten und zwischenzeitlich etablierten und seitens der Arbeitgeber akzeptierten Bachelor- und Master-Abschlüssen abzuwenden und die Rückkehr zum alten, singulär deutschen System zu fordern. Dieses wäre ein politischer Rückschritt und würde sowohl bei Bewerbern als auch bei Arbeitgebern sowie insbesondere bei ausländischen Betrachtern zu erheblicher Verwirrung führen.

Die in der HAWtech zusammengeschlossenen Hochschulen sehen daher in einer Rückkehr zum früheren System mit ausschließlicher oder zusätzlicher Vergabe des Diplomgrades eine große Gefahr für die Weiterentwicklung des Hochschulsystems. Eine weitere Differenzierung neben Bachelor und Master ist weder national und schon gar nicht international notwendig und hilfreich. Eine konstruktive Gestaltung und gemeinsame Erarbeitung einer Marke durch hohe Qualität ausgezeichneter deutscher Bachelor- und Masterabschlüsse sollte vielmehr das vorrangige Ziel aller Beteiligten sein.

Die Hochschulallianz für Angewandte Wissenschaften HAWtech stellt einen Zusammenschluss führender deutscher Fachhochschulen mit einem Schwerpunkt im Bereich der Ingenieurwissenschaften dar. Unter der Leitidee "Starke Regionen, starke Hochschulen - Interessen verbinden" haben sich die FH Aachen, HTW Berlin, HS Darmstadt, HTW Dresden, HS Esslingen und HS Karlsruhe zusammengefunden, um gemeinsam in Themen der Lehre, der Forschung, der Internationalisierung, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit Synergien zu schaffen und neue Maßstäbe zu setzen. Jede der beteiligten Hochschulen verfügt über einen ausgeprägten technischen Schwerpunkt, besitzt in diesem Bereich eine sehr hohe Reputation und hat ihren Standort in einer wirtschaftlich attraktiven Region in Deutschland. Insgesamt sind an den Hochschulen der HAWtech rund 47.000 Studierende eingeschrieben.


Geschäftsstelle
c/o Hochschule Esslingen

Britta Magenau


Wilhelm Rust, Fachhochschule Hannover (oder heißen wir schon Hochschule?), 13.01.2011 um 20:49 Uhr

Die Wiedereinführung des Dipl.-Ing. ist zu befürworten. Der Titel kann allgemein parallel zum Bachelor oder
Master geführt werden.
Allerdings gab es ja auch früher nicht einen Dipl.-Ing., sondern den Dipl.-Ing. ohne Zusatz von der Uni
und den Dipl.-Ing.(FH), damit zwei Dinge, die nicht gleich sind, auch nicht gleich bezeichnet würden.
Nun könnte man den Master mit dem Dipl.-Ing. gleichsetzen und den Bachelor, der ja der kurze berufsqualifi-
zierende Abschluss sein soll, mit dem Dipl.-Ing. (FH). Das Hindernis ist der Bachelor, der mit diesem Grad
die Uni verlässt. Der kann natürlich nicht Dipl.-Ing. (FH) heißen. Geht man aber davon aus, dass auch der
Uni-Bachelor berufsqualifizierend ist - was erst noch bewiesen werden muss, zumal zumindest im Ingenieurbereich die Unis auch kein Interesse daran haben, Studierende vor dem Master zu entlassen - kann er aber auch ein Diplom bekommen.
Mein Vorschlag lautet daher, die berufsqualifizierenden Abschlüsse sowohl mit dem Bologna-Grad Bachelor oder
Master als auch mit dem Dipl.-Ing. zu versehen, allerdings mit dem zwingenden Zusatz, die Abkürzung des Bologna-Grades in Klammern anzugeben, also
Dipl.-Ing. (B) und Dipl.-Ing. (M) oder
Dipl.-Ing. (B.Eng bzw. Sc.) und Dipl.-Ing. (M.Eng bzw. Sc.)
Das sollte klar genug sein.
So ähnlich sollte es auch auf der Urkunde stehen:
... verleiht ... den akademischen bzw. Hochschul-Grad Diplom-Ingenieur (Bachelor of Engineering),
abgekürzt Dipl.-Ing. (B.Eng.) usw.
Ein Wahlrecht ist gar nicht erforderlich. Wer unbedingt möchte, kann meinetwegen den Bachelor auch allein führen.

Zu hoffen bleibt, dass man nicht an allzu vielen Fachhochschule die Qualität des ersten Abschlusses beschädigt hat, sodass er den Titel Dipl.-Ing. () nicht mehr verdient. Das Kriterium für den Dipl.-Ing. mit Zusatz ist für mich, dass der
Abschluss berufsqualifizierend sein muss, und natürlich höherwertig als "Techniker".


Mit freundlichen Grüßen

Wilhelm Rust


Wolfgang Oevenscheidt, FH-Südwestfalen, Standort Meschede, 13.01.2011 um 13:11 Uhr

Ein in der ganzen Welt anerkannter qualifizierter Titel, nämlich der des Dipl.-Ing. wurde aufgrund von politischer Entscheidung durch ominöse Bezeichnungen wie Bachelor u. Master ersetzt. Dies wurde den Hochschulen aufoktruiert, basta!
Die Standesverbände haben hierbei einen Schlingerkurs gefahren, letztlich aber dem Begehren der Großindustrie (Bosch, Daimler) nachgegeben, die sich insbesondere in den VDI-Nachrichten vehement dafür einsetzten. Vielleicht auch deswegen, weil bei vielen Firmen, insbesondere beim Anfangsgehalt, der Bachelor schlechter wegkam als der Bachelor.
Jetzt haben wir ein ganz verschultes Schmalspurstudium, insbesondere beim Bachelor, der in 4-8 Wochen mal eben eine "Thesis" "schreiben" soll. Die Anzahl der Wahlpflichtfächer wurde reduziert, Fächer mit Laborübungen werden gemieden, es wird nach Creditlage studiert.
Ein englischer Kollege hat einmal zu mir gesagt, die Bachelors sind noch keine Ingenieure, wenn die früher 2 Jahre im Beruf waren, hat man denen auf die Schulter geklopft und gemeint, jetzt bist Du ein Ingenieur , jetzt kannst Du auch Mitglied in unserer Gewerkschaft werden !
Auch die sogenannte Evaluierung ist mir ein Dorn im Auge, eine funktionierende Hochschule mit aktiven Fachbereichen hat früher immer gewußt, wohin wissenschaftlich und auch regional der Zug fährt. Jetzt benötigt man unter anderem Akkreditierungsagenturen, mit teilweise zweifelhafter Reputation, die immer Kollegen suchen, die dort mitwirken, aber von den Hochschulen für die Evaluierung viel Geld nehmen.
Wer evaluiert die Evaluierer? Wer den Akkreditierungsrat ?
Die Vergleichbarkeit der Bachelorabschlüsse ist international nur auf dem Papier gegeben. Da gibt es welche mit 180 Credits und 210 Credit. Mitmischen tun jetzt auch noch die Berufsakademien bzw. die Duale Hochschule Baden-Württemberg. Ein Wildwuchs ohnegleichen.
Da kann man nur hoffen, ob sich der Dr.-Ing. als Titel und Qualitätsmerkmal hält.
Nach wie vor bilden die Finanzverwaltungen der Länder Dipl.-Finanzwirte aus, die Juristen, Mediziner und Lehrer mit den Staatsexamen haben auch ihre Probleme mit Bachelor und Master.
Die mittelständische Industrie hat ihre Probleme mit den neuen Abschlüssen , ganz zu schweigen von kleineren Betrieben. Viele Studierende unserer Hochschule haben sich noch beeilt, um den Dipl.-Ing. zu erhalten.
Das Chaos geht weiter G8/G) lassen grüßen und die Grundlagenfächer eines Ingenieurs. Mathe und Physik werden immer rarer unterrichtet. Im Hochsauerlandkreise gibt es nicht genügend Lehrer in den MINT- Fächern, Leistungskurse in Mathe und Physik kommen nicht zustande, wegen zu geringer Beteiligung. Schulleiter in größeren Städten sprechen sich nicht ab, so daß evtl. dann doch noch ein gemeinsamer Leistungskurs zustande kommt.
Frei nach Heinrich Heine: Denk ich an den Dipl.-Ing. in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.
Die Demokratisierung der Hochschulen (besonders in NRW- mit dem Pinkwartschen Hochschulfreiheitsgesetz) wurde
zurückgedrängt, im Hochschulrat sind die Studierenden nicht mehr vertreten, dafür gibt es dann je nach Bundesland die Studiengebühren!


Helmut Winkel, Fachhochschule Köln, 12.01.2011 um 17:03 Uhr

Ernst M. Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen und Präsident der TU9 hat Recht, wenn er schreibt "Glückwunsch Dipl.-Ing.! Ein Gütesiegel made in Germany wird 111 Jahre alt". Er hat Recht, wenn er diese international anerkannte Marke nicht durch einen schnöden "Master of Science" ersetzen will.

Nur ein Bruchteil aller Master of Sciences dieser Welt sind Diplom-Ingenieure, die meisten Inhaber dieses akademischen Grades haben etwas ganz anders studiert als Ingenieurwissenschaften in Deutschland. Durch die einzigartige Verbindung der Berufsbezeichnung "Ingenieur" mit dem akademischen "Diplom" ist die Marke "Diplom-Ingenieur"entstanden. Diese aufzugeben und durch "Master of Science" zu ersetzen wäre in der Tat vergleichbar mit der Abschaffung der Marke "Porsche".

Doch warum wehren sich die Rektoren und Präsidenten der Fachhochschulen gegen die gut begründete Initiative der nach eigenen Worten "Allianz der führenden Technischen Universitäten"? Unsere Rektoren und Präsidenten befürchten eine Abwertung der Fachhochschulen, deren Absolventen bekanntlich nur zu einem Teil den Mastergrad erreichen. Sie führen sich um die Früchte der fast 25-jährige Erfolgsgeschichte des Dipl.-Ing. (FH) betrogen. Doch sie verkennen dabei, dass nur der Mastergrad dem universitären Diplom äquivalent ist, der Bachelor ist es nicht und das Diplom (FH) war es nie. Dabei laufen sie sehenden Auges in die Falle der TU9, die durch eine unauffällige Dehnung der eigentlich guten Argumentation durch die Hintertür den Dipl.-Ing. (TU) einführen wollen. Bisher gibt es nur in Bayern einen "Dipl.-Ing. Univ.". Gegen diesen Versuch einer Differenzierung nach der Hochschulart und nur dagegen sollten wir uns wenden!

Der Bologna-Prozess hat eine Unterscheidung nach Hochschularten obsolet gemacht. Im System nach Bologna wird durch Akkreditierung sichergestellt, dass der an einer Fachhochschule erworbene Master dem an einer Universität erworbenen Master entspricht. Der an einer technischen Hochschule erworbene Bachelor entspricht dem Bachelor einer Fachhochschule, ungeachtet aller Bedenken hinsichtlich seiner Berufsfähigkeit. Da müssen die universitären Kollegen halt noch ein wenig nachbessern, so wie auch wir darauf zu achten haben, das in allen Masterprogrammen tatsächlich eine masterliche Qualifikation erreicht wird!

Der Bologna-Prozess hat aus einer Ingenieurausbildung in drei Niveaus eine Ingenieurausbildung in drei Stufen gemacht, wobei die wissenschaftliche Qualifikation des bisherigen Dipl.-Ing. (FH) zwischen den ersten beiden Stufennach Bologna lag. Im Gegensatz zum bisherigen Modell können die Stufen vom Bachelor über den Master zum Doktor nun ungeachtet der Hochschulart konsekitiv durchlaufen werden.

Glücklicherweise ist noch kein Politiker auf die Idee gekommen, den Doktor-Ingenieur durch den Ph. D. zu ersetzen, auch wenn es durchaus Bestrebungen zur Verschulung der Ingenieurpromotion gibt. Nach fast 25 Jahren Dipl.-Ing. (FH) stellt das neue System für die Fachhochschulen einen Fortschritt dar, den wir ungeachtet seiner zahlreichen Mängel nicht aufhalten sollten. Wir sollten aber darauf achten, dass die Wahrnehmung unserer Leistung nicht durch den Untergang des Ingenieurdiploms beeinträchtigt wird. Auch im System nach Bologna sollten wir an der erfolgreichen Verbindung zwischen der Berufsbezeichnung "Ingenieur" und dem akademischen Diplom festhalten. Eine mit Bologna und dem bisherigen Diplom konsistente und international verständliche Bezeichnung der Qualifikationsstufen der Ingenieure könnte nach meiner Auffassung lauten:

Dipl.-Ing. (B.Sc.)
Dipl.-Ing. (M.Sc.)
Dr.-Ing. (Ph. D.)

Der hlb sollte in dieser Frage weder Herrn Schmachtenberg mit seiner TU9 noch unseren Rektoren und Präsidenten das Terrain überlassen. In meinen Augen ist es die Aufgabe unseres Berufsverbandes das Fachhochschullager zu einen und mit einem eigenen Vorschlag in die politische Diskussion zu ziehen.


Jörg Lehmann, Hochschule Ulm, 11.01.2011 um 10:25 Uhr

Ich befürchte, wir befinden uns in einer Art Phantom-Diskussion, die an den eigentlichen Problemen vorbei geht. Ich habe die Einführung des Bachelor/Master-Systems immer für ausgemachten Unfug gehalten und die beobachtbaren Probleme, die mit diesen "coolen" akademischen Graden anfangs auftraten, bestätigten mich in meiner generelle Ablehnung. Allerdings stand ich mit dieser Meinung auch in Abstimmungen in unserer Fakultät allein da. Nun war es durchaus nicht so, dass andere Kollegen voller Begeisterung dem sog. Bologna-Prozess gefolgt sind, sondern schon sehr früh wurden Äußerungen gemacht wie "daran wird kein Weg vorbeiführen, darum werden wir nicht herumkommen...!", also machen wir es gleich und zwar gut und richtig.

Ähnliche Äußerungen ( "daran wird kein Weg vorbeiführen, darum werden wir nicht herumkommen) gab es, nur am Rande bemerkt, auch bei der Einführung der W-Besoldung, die außer der damals amtierenden Bundesbildungsministerin und ein paar uninformierten Neidhammeln, die von exorbitanten Professorengehältern ausgingen, niemand wollte.

In zahlreichen Gesprächen Anfang der 2000er Jahre mit Industriepartnern aus wirklichsehr großen, internationalen Konzernen (medizintechnischer Sektor) habe ich gelernt, dass dort ein großes Unverständnis über den sog. Bologna-Prozess herrschte. Zwei Meinungen habe ich immer wieder gehört:

1.) Der Grad Diplom-Ingenieur hat einen hohen Stellenwert und gilt (oder galt ) als Garant für eine exzellente Ausbildung und wird international sehr geschätzt. Äußerungen die dahin gehen, der Diplom-Ingenieur werde im Ausland nicht gekannt und deshalb nicht geschätzt, wurden als grober Unsinn und Ausdruck mangelnder Kenntnis der industriellen Praxis bezeichnet. Vielmehr konnte sich kaum ein Industriepartner etwas unter einem "Bachelor" vorstellen.

2.) Für den individuellen Erfolg eines Mitarbeiters in der Industrie seien zudem ausschließlich die tatsächlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten entscheidend und nicht primär der wissenschaftliche Grad.

Was uns also derzeit vielmehr beschäftigen sollte ist, die von den Befürwortern des sog. Bologna-Prozesse ins Feld geführte internationale Vergelichbarkeit der Abschlüsse wirklich mit Leben zu erfüllen bzw. diese durchzusetzen. Bislang ist das ja offensichtlich nichtmal innerhalb eines Bundeslandes zuverlässig gegeben, geschweigen denn bundesweit oder gar international. Zudem sollten wir nach Lösungen suchen, um unseren guten Master-Absolventen den ungehinderten, von universitären Animositäten und Repressalien freien Zugang zur Promotion zu ermöglichen.

Zwie Dinge noch am Rande, die zeigen, dass diese Diskussion wirklich irgendwie am Problem vorbei läuft:

1.) Wir hatten unter unseren ersten Master-Absolventen einige Diplom-Ingenieure (FH), d.h. Menschen, die nach dem Diplom-Studium noch ein Master-Studium draufgesattelt haben. Denen jetzt irgendwie anzubieten, sie dürfen wieder den Titel Diplom-Ingenieur tragen ist doch ausgesprochenen schwer vermittelbar. Was sollen diese Menschen denn jetzt mit dem Master-Abschluss anfangen, wenn er wieder dem Diplom-Ingenieur gleichgesetzt werden soll?

2.) Wie soll mit den anderen Diplom-Graden verfahren werden, die früher an den Fachhochschulen (o.a. Universitäten) vergeben wurden? Die aktuelle Diskussion auf den Diplom-Ingenieur zu beschränken zeugt zwar von einem robusten Selbstbewußtsein der ingenieurwissenschaftlichen Kaste, allein wird sie dadurch nicht richtiger und nachvollziehbarer.


Cordula Boden, FH Erfurt, 10.01.2011 um 14:42 Uhr

"Mitglied hlb-Thüringen"
Bachelor und Master sind die Abschlüsse, die weltweit bekannt und definiert/akkreditiert sind. Der Begriff Diplom ist hingegen nicht geschützt. In England z.B. bieten die Hochschulen eigene Diploma Abschlüsse an, die nicht akkreditiert sind und eher einem Weiterbildungszertifikat entsprechen. Den Master wieder abzuschaffen halte ich daher für falsch. Etwas anderes ist die Frage, den Titel Dipl. Ing. zusätzlich führen zu können. Wenn dies ein Qualitätsmerkmal werden soll, sollte dies aber auf Masterabschlüsse beschränkt werden.


Elmar Schmidt, SRH Hochschule Heidelberg, 10.01.2011 um 12:34 Uhr

Die letztlich von den TU-"X" ausgehende Initiative ist richtig und ich bin dankbar, daß ihre Mitglieder wie auch die sog. Exzellenz-Universitäten den harten Widerstandskern gegen den obrigkeitsstaatlichen Bildungspopulismus dieses Landes bilden.

Die bewährten deutschen Hochschul-Diplome wurden in undemokratischer Manier, mit fadenscheinigen Argumenten und in unnötig europaseliger Vorauseilung von Hochschulfunktionären und der bildungspolitischen Klasse der BRD abgeschafft, kurioserweise wie geschmiert transportiert durch jenen sonst gar nicht so auf Einheitlichkeit abgestellten Überföderalismus im Bildungswesen der BRD.

Danach kam der Katzenjammer und das Haltet-den Dieb-Geschrei. Schuld an der Bauchlandung von Bologna sollen natürlich alle diejenigen sein, die mit Sachargumenten dringend von einer unreflektierten Einführung abgeraten hatten.

Die FHn wiederum sollten mit Vereinheitlichungsversprechen "gekauft", Verzeihung überzeugt werden, was in den Funktionsträgerrängen und auch Verbänden zum Teil ganz ordentlich funktioniert hat, weshalb es nun in dieser Frage auch im hlb eine Spaltung gibt.

Wer Augen hat zu sehen, weiß, daß wir an den Hochschulen in der BRD wissenschaftlich sowieso keine Homogenität mehr bekommen werden. Es herrscht von den Umfeldbedingungen und auch vom Qualifikationsprofil der Professoren- und Studierendenschaft an deutschen Hochschulen ohnedies schon ein Zweiklassensystem

Die vollmundigen, aber hohlen, weil i.w. unfinanzierten Bildungsversprechen werden daraus ein Drei- bis Vierklassensystem erzeugen, wie es in den USA schon existiert.

Nicht alles daran muß schlecht sein, weil es letztlich dann zu einem Verzahnungsbereich zw. den besten FHn mit den Universitäten führen wird. Das wiederum setzt weniger manipulierbare Rankingsysteme voraus, die es hierzulande auch noch nicht gibt.


Timo Kasper, FH Kaiserslautern, 08.01.2011 um 21:55 Uhr

Grundsätzlich bin ich auch dafür, dass das Diplom wieder eingeführt werden sollte. Warum, ich glaube das wurde durch die vorherigen Beiträge durchaus deutlich.
Es stellt sich nur die Frage was mit den Bachlor-Studenten passiert, wenn das Diplom wieder eingeführt werden sollte. Viele Firmen werden sich auf altbewährtes besinnen und die Diplom-Studenten einstellen, da sie mit diesen Absolventen gute Erfahrungen gemacht haben. Folglich bleiben die Bachlor-Studenten auf der Strecke und können in der Industrie keinerlei Fuß fassen.
Entweder erhält man als Bachelor-Student die Möglichkeit eventuell nicht gehörte Vorlesungen und die damit verbundenen Prüfungen noch zu absolvieren um die Gleichwertigkeit zu erhalten oder es muss ein einheitliches System geschaffen werden. Wenn die führenden TU's in Deutschland das Diplom beibehalten und so sieht es momentan ja auch aus, wird es eine 2-klassen Gesellschaft unter den Ingenieuren geben und das ist in keinerlei Sinne.
Bleibt es allerdings beim Bachelor-/Master-System muss ein Umdenken der Industrie erfolgen, denn der Bachelor an der FH KL ist nahezu dem Diplom gleichzusetzen. Es gibt 2-3 Vorlesungen die aus dem Bachelor-Plan gestrichen wurden. In den bestehenden Vorlesungen wurden lediglich kleinere Themen offiziell gestrichen, die aber trotzdem größtenteils in den Vorlesungen behandelt werden. Natürlich kann ich nur von dieser FH berichten wie es an anderen Fach-/Hochschulen ist, weiß ich nicht.

Abschließend bleibt zu sagen, dass sich die Politik schnell einig wird und zu einem einheitlichen System kommt, damit die Unklarheiten endlich beseitigt werden können, denn es wäre fatal wenn das deutsche Ingenieurshandwerk intern zu bröckeln beginnt.


Hanspeter Frankmann, Fachhochschule - Kaiserslautern, 08.01.2011 um 21:06 Uhr

8. Januar 2011

Ich bin ehemaliger Absolvent der FH Kaiserslautern,
Diplomstudium der Nachrichtentechnik.

Es ist sehr interessant, was hier an Argumenten offenbart wird..
Wie hat denn unsere Generation die Studienzeit erlebt ?

Über den zweiten Bildungsweg startete ich 1982 mit ca. 150 Kommilitonen mein Studium.
Trotz der Tatsache, dass auch damals schon bei Studienbeginn eine Vorselektion statt fand,
darf ich behaupten, etwa 35 meines Startsemesters führten Ihren Studienweg bis zum Abschluss.
Der Rest war bestimmt auch nicht schlecht, hat aber abgebrochen...

Auch zu unserer Zeit war es üblich, dass man zum Leben Geld braucht, und neben dem Studium arbeiten geht.
So war es nur in ganz wenigen Ausnahmen möglich, die damals laut Studienordnung vorgegebenen 6 Semester "Regelstudienzeit" einzuhalten.

Als Gasthörer heute wieder an der FH-KL eingeschrieben versteht man schon, dass der Studienplan dichter zusammengerafft wurde. Mehr Lerneinheiten pro gegebener Zeiteinheit. Funktioniert das ?
Zu welchem Preis ?

Mittlerweile verrentet, brauche ich niemandem mehr "neidisch" um seinen Titel zu sein.
Ich weiß, wer ich bin, und, was ich gelernt habe.

Gute Industriekontakte, die ich trotz meines "Ruhestandes" immer noch gut pflege, sagen mir allerdings,
dass es in der Industrie viele reumütige Stimmen gibt, die sich der guten alten Werte zurück besinnen.
Das ist einfach Fakt.

Auch zu unserer Zeit gab es hin und wieder Änderungen der Studienregularien.
Wir, als Studenten hatten auch damals nicht den Freiheitsgrad, das wirklich zu ändern,
oder Einfluss darauf zu nehmen.
Ist es nicht immer so, dass sich die, die gerade auf eine Prüfung hinarbeiten, andere Bedingungen wünschen ?
Die, denen das nicht gepasst hatten, hatten den Freiheitsgrad, zu den 3 B zu wechseln, oder aufzuhören.
Aber auch zu unserer Zeit ist NIEMAND dazu gezwungen worden, zu studieren...

Lange Zeit war der Dipl.-Ing. (FH) eine Person mit gutem Praxishintergrund...
Wo ist denn heute die Analogtechnik-Vorlesung ?
Wie ist denn das mit "Elektronischen Schaltungen"?
Das Ganze passt sehr gut ins Bild, wenn man feststellt, schon bei Facharbeiterprüfungen im Elektrogewerke wird heute weder gelötet, noch gemessen, noch werden Fehler gesucht.
Wer nimmt denn heute noch an der Front den Lötkolben und das Messwerkzeug in die Hand,
und löst vor Ort die Probleme ?
Hier genau liegt der Hase im Pfeffer begraben:
Der zu einer richtig breitbandigen Ausbildung notwendige Lernprozess ist eine Funktion der Zeit,
und lässt sich nicht per Dekret in 6 Semestern durchboxen.
Weder als Dipl.-Ing., noch als Bachelor, oder Master.
Zu meiner Studienzeit hatte ich das primäre Ziel, in die Industrie zu gehen.
Beim Staat in irgend einer Registratur zu versauern, war nicht mein Ziel.

Unabhängig davon, dass auch wir uns unsere Abschlüsse erarbeiten haben, finde ich es aus der Situation persönlich auch nicht unbedingt fair, heute, 2011, feststellen zu müssen, dass unser gutes Diplom von damals quasi auf "Vordiplom-Level" zurück degradiert, mit dem Techniker gleich gesetzt, und somit entwertet werden soll..

Abschließend sei rein pragmatisch betrachtet, habe ich trotz zweier Jahre in USA den Eindruck,
unser gutes altes Bildungssystem musste wohl aus Gründen einer Zwangsamerikanisierung als Bauernopfer herhalten. Obwohl gerade dort der Dipl.-Ing. eine sehr gute Reputation hatte.
Sollte eine breitbandige Ausbildung etwa politisch unerwünscht sein ?
Dabei liegt das größte Kapital unseres Landes zwischen den Ohren seiner "High-Potentials"...

Es bleibt uns allen zu wünschen, dass kluge Entscheidungen und gangbare Übergangsregelungen gefunden werden.

Vielen Dank !


Peter Mischke, Hochschule Niederrhein (Krefeld), 07.01.2011 um 13:58 Uhr

Zunächst zur Situationsbeschreibung des HLB:
Der Gesetzentwurf aus Mecklenburg-Vorpommern eröffnet offenbar die Möglichkeit, einerseits Master-Absolventen von Universitäten und andererseits Bachelors (!) von FHn den Grad "Dipl.-Ing. (FH?)" zuzuordnen. Das passt ja wohl nicht zusammen.
Und: Die Bedenken vieler Kolleginnen und Kollegen bzgl. des TU9-Vorschlages, dass über die unterschiedlichen Regelabschlüsse (FH: Bachelor, TU: Master) die FHn nur wenige Dipl.-Ings. verleihen können und damit "Bachelor-Hochschulen" werden bzw. bleiben, ist nachvollziehbar. Aber wie will man dieses Problem lösen, ohne Äpfel mit Birnen gleichzusetzen und den Grad "Dipl.-Ing." zu entwerten? Das wäre doch gemogelt bzw. kontraproduktiv.
Kurzum: Der Abschluss "Dipl.-Ing. (FH)" passt nur zum früheren achtsemestrigen Studiengang, und den wird es - als achtsemestrigen Bachelor-Studiengang - kaum geben. Also zähneknirschend, endgültig und für alle: Good bye Diplom, - oder bitte konsequent zurück zu den alten (bewährten) Studienstrukturen!

In meinen 20 Dienstjahren im Fachbereich Chemie habe ich alle drei bis fünf Jahre Umstellungen der Studienstrukturen erlebt, und wir Lehrende wollen endlich mal eine Zeit ohne Überlappungschaos von alten und neuen Strukturen unserem Hauptgeschäft, nämlich der Lehre und ggf. Forschung nachgehen, anstatt uns ständig mit Änderungen und den daraus resultierenden Inkompatibilitäten befassen zu müssen. Konkreter: Wir bieten im FB zwei Bachelor- und zwei Masterstudiengänge mit jeweils unterschiedlichen Spezialisierungen, alles sowohl in Vollzeit- als auch in Teilzeitversion (Kooperatives Studium) an. In dieses komplexe Räderwerk noch weitere Studiengangsstrukturen für einen Diplom-Abschluss einzubauen, wäre organisatorisch nicht mehr zu leisten.


Paul T., Fachhochschule Kaiserslautern, 06.01.2011 um 17:07 Uhr

Hallo,

zu meiner Person: Bachelor - WI -Maschinenbau an der FH Kl, 7.Semester, vorrausichtlich in Regelstudienzeit von 7 Semestern im März 2011 Abschluss als Bachelor of Engineering.

Meinem Vorredner Thomas Struck kann ich mich definitiv anschließen sowie die Zahlen und Fakten bestätigen. Beim Lesen kam es mir fast vor als hätter er aus meinen Gedanken gesprochen. Lediglich eine Sache würde ich gerne noch ergänzen, dazu mehr am Ende.

Gerne würde ich unterstreichen, dass vom Inhalt her der Bachelor praktisch gleichwertig wie das Diplom behandelt wurde. Wir haben Klausuren mit den Diplomanden gleichzeitig geschrieben mit dem einzigen Unterschied, dass in der Kopfzeile Diplom statt Bachelor stand. Bzgl. unserer FH kann ich daher nur sagen, dass bei uns der Diplom dem Bachelor vom Inhalt bzw. von den Anforderungen gleichzusetzen ist.

Zusätzlich hatten wir als Herausforderung, in den ersten Semestern keine Einführungs-/Einpassungsphase wie beim Vordiplom zu haben. Alle Noten der ersten Semester zählten direkt in die Endnote ein. Es gab keine Kennenlernphase wie beim Diplom.

Ich möchte nicht sagen, dass wir es schwerer hatten als die Diplomanden, ich schätze unsere Diplomanden genauso wie unsere Bacheloranden und weiss deren Leistungen zu schätzen. Es soll nur nicht der Eindrucke enstehen der Bachelor wäre nichts oder nichts wert.

Am Problem sind teilweise auch wir, Studenten Schuld: Die dauernden Diskussionen darum, dass der Bachelor nichts wert ist (seitens Diplomanten und AUCH Bacheloranden) hat mit zu der Problematik beigetragen.

Daher appeliere ich an alle: AKZEPTIERT DEN BACHELOR ALS VOLLWERTIGEN STUDIENGANG DER DEM DIPLOM FAST GLEICH ZUSETZEN IST. Wer möchte soll den Bachelor machen, wer will soll den Diplom machen. Ich werde mich nicht wegen meinem Bachlor kleinmachen lassen. Sondern mit breiter Brust sage ich "Ich bin Bachelor of Engineering und ich kann was".


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